Chronik ...

Geschwister und Teilen

Gestern durfte ich mit einem Geschwisterpärchen zusammen in der Bahn fahren. Die beiden Mädchen waren um die 6 Jahre alt und gehörten zu drei ökologisch angehauchten Frauen, von denen eine die Mutter darstellte.

Nachdem man mir mal erklärt hat, dass Einzelkinder nicht teilen könnten und ich dummerweise ein Einzelkind bin, habe ich die Kinder gespannt beim Teilen beobachtet:

1. Akt: Der Sitzplatz

Wenn sich 3 Erwachsene und 2 Kinder auf 4 Sitzplätze verteilen müssen, wird es eng. Und so kam es das ein Kind saß (K1) und eines nicht (K2). K2 hüpfte rum und machte faxen, was dazu führte, dass K1 in Tränen ausbrach weil es nicht auf stehen durfte.

Die Frauen griffen ein, und namen K1 auf den Schoß und befahlen K2 sich auf den freien Platz zu setzen. K1 wollte aber nicht auf dem Schoß, sondern wie K2 auf dem Sitz sitzen. Also weinte es wieder.

2. Akt: Trinken

Nachdem endlich beide Kinder auf einem Sitz saßen, bekam K1 etwas zu trinken um die Tränendrüsen nachzufüllen. Da K2 auch trinken wollte und es nur eine Flasche gab, fing es natürlich an zu weinen. Also bekam K2 die Flasch, was umgehend zu Tränen bei K1 führte. Also wieder zu K1 mit der Flasche, damit K2 plärren kann.

Das ganze ging 5 Mal hin und her, bis beide endlich keinen Durst mehr hatten.

3. Akt: Das Püpchen

Was mit einer Flasche funktioniert, geht so ähnlich auch mit einem Püppchen. 4 mal Weinen, 4 mal wechselt die Puppe ihre kleine Besitzerin.

Dann geschah ein Wunder! Nach 5 Minuten wechselseitigem Plärren, war es auch den Ökotanten zuviel und die Mutter versuchte es mit etwas autoritärer Erziehung, in dem sie das gerade weinende Kind (K2) auffordenten endlich aufzuhören und mit etwas anderem zu spielen.

4. Akt: Gewalt

Die plötzliche autoritäre Stimmlage erzeugte noch mehr Tränen bei K2 und die Mutter ging wieder zu ihrer alten Strategie über, in dem sie die Puppe von K1 zu K2 beförderten. K2 hörte auf zu weinen und bedankte sich bei K1 mit einem Fußtritt. Das da natürlich K1 wieder los plärrte, erklärt sich von selbst.

5. Akt: Routine

Das Püppchen wurde im Laufe der Bahnfahrt gegen einige andere Spielzeuge ausgetauscht, aber das Grundprinzip blieb erhalten:

1. Jeweils ein Kind weint, weil das andere etwas hat, was es nur einmal gibt.
2. Die Mutter gibt den gerade aktuellen Gegenstand an das gerade weinende Kind.

Dazwischen gab es noch ein paar Tritte und Schläge.

Abgesehen davon, dass die Mutter den jeweils begehrten Gegenstand vom nicht-weinenden zum weinenden Kind weitergab, ignorierten die 3 Erwachsenen die Kinder und unterhielten sich angeregt.

Fazit: Vielleicht ist es doch gut, dass mir ein Geschwisterlein erspart wurde...

... des laufenden Wahnsinns